Toyota Hilux Camper, unser kompletter Offroad-Ausbau und was er wirklich gekostet hat
Über drei Jahre haben wir unseren Toyota Hilux Stück für Stück in genau das Fahrzeug verwandelt, mit dem wir seitdem durch Island, die Pyrenäen, die Alpen und Skandinavien unterwegs sind. In diesem Beitrag zeigen wir euch den kompletten Ausbau, was die einzelnen Teile gekostet haben, und was wir im Nachhinein anders machen würden.
Das Basisfahrzeug
Wir haben uns aus drei Gründen für den Toyota Hilux entschieden. Erstens, Zuverlässigkeit, das Auto hat inzwischen über 200.000 Kilometer gelaufen, bis auf einen undichten Simmerring ohne eine einzige Panne. Zweitens, ein Pickup ist der Spagat zwischen Alltags- und Reisefahrzeug, die Nutzlast von einer Tonne ermöglicht viel Spielraum für Ausbauten. Drittens, das Fahrzeug war schon in der Familie, dadurch sind wir zu guten Konditionen dran gekommen, allerdings mit über einem Jahr Wartezeit.

👉 Ausführlicher zum Fahrzeugkauf, UNSER NEUES REISEFAHRZEUG, Projekt Overlander 01
Offroad-Upgrades
Das Fundament ist das Fahrwerk von Old Man Emu, das fährt im Gelände wie auf der Straße deutlich komfortabler und ist vorne für 50 Kilogramm Mehrbelastung wegen der Winde und hinten für 300 Kilogramm wegen Hardtop und Dachzelt ausgelegt. In Kombination mit den 16-Zoll-Felgen von Borbet * und dem BFGoodrich KO2 * Reifen steht der Wagen dadurch 5 bis 7 Zentimeter höher. Der KO2 hat sich im Gelände bewährt, guter Grip, geringer Verschleiß, bei Nässe auf der Straße ist er allerdings wirklich schwach, da muss man aufpassen. Bewusst haben wir uns für einen All-Terrain- statt einen reinen Mud-Terrain-Reifen entschieden, der Hilux ist für uns in erster Linie ein Reisefahrzeug, mit dem wir schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der Zeit auf der Straße unterwegs sind, und nur gelegentlich im Gelände.
Vor der Islandreise kam ein kompletter Unterfahrschutz von Taubenreuther dazu, sechs Millimeter dickes Aluminium in sechs Einzelplatten für Motor, Getriebe, Verteilergetriebe, AdBlue-Tank, Auspuff-Sensoren und Dieseltank, weil man beim Durchfahren isländischer Flüsse nie genau weiß, was unter der Wasseroberfläche liegt. Vorne sitzt ein Windenträger samt Frontbügel von Ullstein Concept mit Bullbar, dazu eine Winde von TJM mit 5,4 Tonnen Zugkraft und Synthetikseil. Als Faustregel gilt, die Zugkraft sollte mindestens das 1,5-fache des zulässigen Gesamtgewichts betragen, bei unseren 3,5 Tonnen wären das rechnerisch 5,25 Tonnen, wir liegen mit 5,4 Tonnen leicht darüber. Gebraucht haben wir die Winde für uns selbst noch nicht, aber schon zwei anderen Fahrzeugen aus der Klemme geholfen.

Für Wasserdurchfahrten sitzt zusätzlich ein Schnorchel von Safari verbaut, der die Luftansaugung nach oben verlegt. Wichtig dabei, ein Schnorchel allein reicht nicht, auch die Getriebeentlüftungen müssen hochgelegt werden. Beim Hinterachsdifferenzial haben wir das bei GP Getriebetechnik machen lassen, kaltes Wasser lässt die Luft im Differenzial schlagartig schrumpfen, wodurch von außen Luft und im schlimmsten Fall Wasser nachgezogen wird, wenn das Differenzial gerade unter Wasser steht. Die vordere Entlüftung war werksseitig bereits bis in den Motorraum hochgelegt und musste nicht verändert werden. Dazu kommt ein ARB Kompressor fest im Motorraum.
👉 Ausführlicher zu den Offroad-Upgrades, Erste OFFROAD Upgrades, Projekt Overlander 02 , Höherlegung Diff-Entlüftung vor den Wasserdurchfahrten, Projekt Overlander 06 und Letzte OFFROAD Upgrades vor Island, Projekt Overlander 07
Hardtop und Pritsche
Als Hardtop haben wir uns für das Smartcap von RSI in der Adventure-Variante entschieden, aus ferritischem Edelstahl, robust, rostfrei und magnetisch, mit einer statischen Dachlast von 350 und dynamisch 150 Kilogramm. Optional gibt es dazu eine RSI Küche mit Geschirr- und Besteckset für vier Personen und einem passenden Kochfeld *, das über einen Schnellverschluss direkt an die Gasflasche angeschlossen wird.
Beim Einbau gab es eine Überraschung, die knapp 90 Kilogramm schwere Haube passte zunächst nicht sauber auf die Pritsche. Grund war eine werkseitige Kunststoffwanne unter der Ladefläche, die die Befestigungsgewinde versetzt, erst nach deren Ausbau saßen die Halterungen richtig. Ein Punkt, den wir vorher nicht auf dem Schirm hatten, ein fest verschraubtes Hardtop zählt nicht mehr als Ladung, sondern muss beim TÜV eingetragen werden, dabei ändert sich sogar die Fahrzeugklasse von Pickup zu geschlossenem Kastenwagen. Wer sowas plant, sollte das vorher einkalkulieren.
Das Herzstück ist das ARB Outback Schubladensystem. Eine große Schublade links für Kochutensilien, ein flacher Auszug oben mit Tritt, rechts eine flache Schublade mit Tischsets und Solarpanel-Zubehör, dazu die Kompressorkühlbox von Cross Tools *, die mobile Standheizung von Pundmann * und die Boxio Trockentrenntoilette.
Vorher mussten wir die Powerstation ständig hin und her räumen, vorne zum Laden an die 12-Volt-Steckdosen im Cockpit, hinten, um die Kühlbox zu betreiben. Jetzt sitzt sie fest hinten und wird über einen Victron DC-DC-Wandler geladen, der nur dann Strom durchlässt, wenn der Motor läuft, damit die Starterbatterie nicht leer gesaugt wird, dafür haben wir rund acht Meter Kabel bis zur Fahrzeugbatterie vorne verlegt.
Beim Wasser sind wir von einem 10-Liter-Kanister, mit dem wir sieben Jahre unterwegs waren, auf über 60 Liter aufgestockt, 26 Liter in der Solardusche und ein 40-Liter-Tank von Frontrunner. Der Wassertank von Frontrunner sitzt platzsparend vor der Hinterachse, was sich auch positiv auf die Gewichtsverteilung im Gelände auswirkt. Eine Kleinigkeit ist dabei noch nicht perfekt, der Tank steht leicht schräg, weil er zwischen Hardtop-Kante und Radkasten eingepasst werden musste. Der Schlauch liegt zwar lose, das hat sich in der Praxis aber als völlig unproblematisch herausgestellt.
👉 Ausführlicher zu Hardtop und Pritsche, Das hätten wir gerne vor dem Einbau unseres Hardtops gewusst, Projekt Overlander 03 und Endlich autark! Strom & Wasser im Pickup Camper, Projekt Overlander 08
Toyota Hilux mit Dachzelt
Auf dem Hardtop sitzen Heavy-Duty-Querträger von Rhino-Rack mit Schnellverschlusssystem, sodass sich Dachzelt, Markise und Träger als komplette Einheit abnehmen lassen. Wir haben sie bewusst in der maximalen Breite von 1,5 Metern gewählt, damit die Markise später sauber passt. Die 270-Grad-Markise * ist von CAMPWERK, mit dem Code ANNAMARIO5 gibt es 5 Prozent Rabatt auf Dachzelte und weitere Ausrüstung im Shop. Darüber das iKamper Skycamp 3.0 *, mittlerweile unser drittes Modell nach 1.0 und 2.0, mit einer Liegefläche von 2 mal 2 Metern und einer Leiter, die direkt im Zelt verstaut wird. Beim Aufsetzen mussten wir wegen der Zeltgröße mit einer Trage von hinten nachhelfen, um es Stück für Stück nach vorne zu wuchten.

Vorne auf dem Dach sitzt die Rhino-Rack Pioneer Plattform mit Maxtrax Sandblechen, einem Rhino-Rack Cargo Case für Bergematerial und einer Osram Lightbar. Hinten die 26-Liter-Solardusche RoadShower von Yakima, die wir mittlerweile auch im Winter zum Duschen genutzt haben, und die im Sommer Temperaturen um 30 Grad erreicht.
👉 Ausführlicher zum Dach, ROOF RACK plus LIGHTBAR für unseren PickUp, Projekt Overlander 04 und DACHZELT & MARKISE für unseren Offroad Pickup, Projekt Overlander 05
Die Fahrerkabine
Hier ist das Fahrzeug fast serienmäßig geblieben. Auf Reisen bauen wir die Rückbank aus und stellen zwei Euroboxen mit seitlichen Klappen rein, jeder hat so seinen eigenen Kleiderschrank, und die Rückbank lässt sich für den Alltag schnell wieder einbauen. Einzige Ergänzung ist ein nachgerüsteter Subwoofer.
Was hat der Ausbau gekostet
Die folgenden Preise haben wir jeweils zum Zeitpunkt der Anschaffung notiert, reiner Materialwert ohne Einbauzeit. Seitdem haben sich bei einigen Herstellern die Preise verändert, teils auch spürbar nach oben, betrachtet die Summen also als Richtwerte von damals, nicht als aktuelle Preise.
Bereich | Kosten |
Fahrwerk und Räder | 4.501,87 € |
Unterfahrschutz | 1.618,57 € |
Winde und Schnorchel | 2.699,22 € |
Zwischensumme Offroad-Upgrades | 8.819,66 € |
Hardtop samt Zubehör und Träger | 6.619,72 € |
Auszugsystem | 2.363,43 € |
Wasser und Strom | 1.291,00 € |
Zwischensumme Hardtop und Pritsche | 10.274,15 € |
Dachzelt und Markise | 6.560,00 € |
Dachträger samt Zubehör | 3.044,26 € |
Zwischensumme Dach | 9.604,26 € |
Sonstiges | 741,00 € |
Gesamt | 29.439,07 € |
Nicht enthalten, eine spätere professionelle Unterbodenkonservierung bei JG Fahrzeuglackierungen für rund 2.500 Euro.

Was wir anders machen würden
Küche und Dachzelt öffnen bei uns auf unterschiedliche Seiten, das Dachzelt nach Fahrtrichtung rechts, die Küche nach links. In Island mussten wir uns deshalb oft entscheiden, was wir in den Wind stellen, eigentlich wollten wir uns immer mit der Hartschale gegen den Wind drehen, damit die Öffnung geschützt ist, dafür stand dann aber die Küche im Wind. Beim nächsten Mal würden wir beides auf dieselbe Seite legen.
Am ehesten verzichtbar ist wahrscheinlich der Schnorchel. Fährt man wirklich so tief durchs Wasser, dass die Motorhaube betroffen ist? Eher selten. Auf der anderen Seite weiß man vorher oft gar nicht, wie tief das Wasser ist, in das man reinfährt, das hatten wir in Island häufiger, und waren froh, ihn zu haben, allein schon wegen des Sicherheitsgefühls im Kopf. Generell gilt, die Offroad-Upgrades insgesamt sind das, worauf man am ehesten verzichten kann, der serienmäßige Hilux bringt auch ohne all die Umbauten schon einiges an Geländetauglichkeit mit.
Was wir außerdem empfehlen können, sofort nach Kauf eine professionelle Unterbodenkonservierung machen lassen, und zwar gleich richtig. Wir haben das Fahrzeug zunächst selbst mit der Bürste behandelt und mit Wachs nachbehandelt, an vielen Stellen fing es aber trotzdem bald wieder an, braun durchzuknuspern. Erst die professionelle Behandlung bei JG Fahrzeuglackierungen, per Trockeneis-Strahlen vom Rost befreit und neu konserviert, hat das Problem wirklich gelöst. Im Nachhinein hätten wir uns den Zwischenschritt sparen können.

Fazit
Mit dem Setup sind wir im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Wer sich seinen eigenen Pickup-Camper mit begrenztem Budget bauen will, kann bei den Offroad-Upgrades am ehesten ansetzen, wenn gespart werden muss.
Die mit * gekennzeichneten Links sind Affiliate Links. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, werden wir mit einer Provision beteiligt, für euch entstehen dabei keine Mehrkosten.
Zur vollständigen Bauteil-Liste mit allen Produktlinks geht es hier, /toyota-hilux
Mehr zum kompletten Umbau, Schritt für Schritt, in unserer Projekt-Overlander-Playlist auf YouTube.


